von Moritz Jäger / 05.10.2026
3D-Scanner gibt es inzwischen in den unterschiedlichsten Ausführungen. Manche Geräte sind auf Vermessung und Architektur spezialisiert, andere richten sich an Industrie, Bauwesen oder professionelle 3D-Modellierung. Mit der PortalCam verfolgt XGRIDS einen etwas anderen Ansatz. Das kompakte Gerät soll die reale Welt nicht einfach nur vermessen, sondern sie möglichst fotorealistisch digitalisieren. Das Ergebnis sind sogenannte 3D-Gaussian-Splatting-Modelle, die sich anschließend interaktiv betrachten, teilen und in unterschiedliche digitale Workflows integrieren lassen.
Damit positioniert XGRIDS die PortalCam weniger als klassischen Laserscanner und vielmehr als Spatial Camera. Das Gerät soll den Abstand zwischen einer normalen Kamera und einem professionellen 3D-Erfassungssystem schließen. Statt sich mit zahlreichen Einstellungen, komplizierten Scanabläufen und aufwendiger manueller Nachbearbeitung beschäftigen zu müssen, soll man die Kamera einschalten, durch einen Raum gehen und anschließend relativ unkompliziert eine immersive 3D-Szene erhalten.
Genau dieses Versprechen macht die PortalCam interessant. Denn Gaussian Splatting hat sich in den vergangenen Jahren zu einer wichtigen Technologie für fotorealistische 3D-Darstellungen entwickelt. Die Technik unterscheidet sich grundlegend von klassischen polygonalen 3D-Modellen. Anstatt eine Oberfläche aus möglichst vielen einzelnen Polygonen aufzubauen, werden zahlreiche dreidimensionale Bildpunkte beziehungsweise sogenannte Gaussians verwendet, die gemeinsam eine Szene aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen können. Richtig umgesetzt, entsteht dadurch ein erstaunlich realistischer Eindruck.
XGRIDS kombiniert diese Technologie bei der PortalCam mit LiDAR und einem aus vier Kameras bestehenden Kamerasystem. Die Hardware ist dabei erstaunlich kompakt. Das Gehäuse misst lediglich 130 × 90 × 77 Millimeter und bringt ohne Stativ rund 870 Gramm auf die Waage. Das Gerät besteht aus einer Aluminiumkonstruktion und wirkt entsprechend eher wie ein professionelles Werkzeug als wie eine klassische Consumer-Kamera. Gleichzeitig ist es klein genug, um problemlos transportiert und auch über längere Zeit aus der Hand verwendet zu werden.
Auf den ersten Blick wirkt die PortalCam fast unspektakulär. Gerade ihre kompakte Bauform macht aber einen wesentlichen Teil des Konzepts aus. XGRIDS wollte offensichtlich kein Gerät entwickeln, das ausschließlich auf einem Stativ funktioniert oder zunächst umfangreich aufgebaut werden muss. Die Kamera ist dafür ausgelegt, während der Aufnahme durch eine Umgebung bewegt zu werden.
Im Inneren arbeitet ein LiDAR-System mit einer Erfassungsrate von bis zu 856.000 Punkten pro Sekunde. Das Sichtfeld des LiDARs beträgt 180 Grad in der Horizontalen und 180 Grad in der Vertikalen. Je nach Reflexionsgrad gibt XGRIDS eine Reichweite von 0,1 bis 30 Metern bei zehn Prozent Reflexion beziehungsweise bis zu 60 Metern bei 90 Prozent Reflexion an.
Wichtig ist allerdings, den LiDAR der PortalCam nicht mit einem klassischen Vermessungsscanner gleichzusetzen. Seine Aufgabe besteht vor allem darin, die räumliche Struktur und Bewegung während der Aufnahme zu unterstützen. Gemeinsam mit Kameradaten und Bewegungssensorik entsteht dadurch die Grundlage für die spätere Rekonstruktion der Szene.
Für die eigentliche visuelle Darstellung setzt XGRIDS auf vier Kameras. Zwei davon sind als Fisheye-Kameras ausgeführt, während zwei weitere Kameras nach vorne ausgerichtet sind. Die Kameras liefern jeweils Bilder mit 4000 × 3000 Pixeln und verwenden 1/2-Zoll-CMOS-Sensoren. Die Fisheye-Kameras besitzen ein Sichtfeld von jeweils 200 × 200 Grad, die beiden Frontkameras kommen auf 100 × 85 Grad.
Diese Kombination ist entscheidend für die Qualität der späteren 3D-Szene. Der LiDAR liefert räumliche Informationen, während die Kameras für Farbe, Texturen und die fotorealistische Darstellung verantwortlich sind. Genau diese Verbindung macht den Unterschied zu einem klassischen 360-Grad-Foto aus. Bei der PortalCam entsteht nicht lediglich ein Panorama, sondern eine räumlich interpretierbare Szene, in der sich der Blickpunkt anschließend verändern lässt.
Einer der größten Vorteile der PortalCam liegt in der eigentlichen Bedienung. Das Gerät soll nicht dazu zwingen, sich zunächst intensiv mit 3D-Scanning auseinanderzusetzen. Stattdessen verbindet man die Kamera mit der entsprechenden mobilen Software und kann die Aufnahme starten.
Die Steuerung und Überwachung erfolgt über die LixelGO-App. Während der Aufnahme lässt sich der Scan kontrollieren, während die Kamera kontinuierlich räumliche und visuelle Daten sammelt. XGRIDS beschreibt den grundlegenden Workflow bewusst einfach: aufnehmen, verarbeiten und anschließend das erzeugte 3D-Modell bearbeiten beziehungsweise veröffentlichen.
In der Praxis ist vor allem die Bewegungsfreiheit interessant. Man läuft mit der Kamera durch die Umgebung und erfasst dabei Räume, Objekte oder größere Bereiche. Dabei sollte man allerdings nicht hektisch werden. Gleichmäßige Bewegungen und möglichst wenig abrupte Richtungswechsel helfen dabei, eine saubere Rekonstruktion zu erhalten. Auch beim Wechsel zwischen unterschiedlichen Höhen und Blickrichtungen sollte man kontrolliert vorgehen.
Das ist ein Punkt, an dem man sich daran erinnern muss, dass die PortalCam trotz ihrer einfachen Bedienung kein gewöhnliches Point-and-Shoot-Gerät ist. Wer möglichst schnell durch einen Raum rennt und dabei ständig die Richtung wechselt, sollte nicht mit dem gleichen Ergebnis rechnen wie bei einem kontrollierten Rundgang.
Gerade bei größeren Objekten lohnt es sich, einen vorher geplanten Weg einzuhalten. Für Räume kann das beispielsweise bedeuten, zunächst langsam entlang der Außenbereiche zu gehen und anschließend zentrale Bereiche zu erfassen. Bei Objekten sollte man darauf achten, relevante Oberflächen aus unterschiedlichen Perspektiven aufzunehmen.
Der spannendste Aspekt der PortalCam ist zweifellos die Verwendung von 3D Gaussian Splatting. Wer bisher hauptsächlich mit klassischen 3D-Modellen gearbeitet hat, muss sich zunächst an die etwas andere Darstellung gewöhnen.
Ein klassisches 3D-Modell besteht normalerweise aus Geometrie, Texturen und Materialien. Die PortalCam verfolgt einen anderen Weg. Die aufgenommenen Informationen werden in eine Darstellung überführt, die vor allem auf einer möglichst realistischen visuellen Wiedergabe der Szene basiert.
Der Vorteil zeigt sich besonders bei Umgebungen, bei denen klassische Modellierung extrem aufwendig wäre. Ein Wohnzimmer, ein Hotel, ein Showroom, ein historisches Gebäude oder ein Außengelände muss nicht mehr vollständig nachmodelliert werden. Stattdessen wird die reale Umgebung aufgenommen und anschließend als digitale Szene rekonstruiert.
Das Ergebnis kann dabei einen bemerkenswert natürlichen Eindruck vermitteln. Oberflächen, Farben und Beleuchtung werden wesentlich unmittelbarer aus der Realität übernommen, als dies bei einer vollständig künstlich erstellten 3D-Szene der Fall wäre.
Gerade für virtuelle Rundgänge ist dieser Ansatz interessant. Der Betrachter bekommt nicht einfach ein 360-Grad-Foto präsentiert, sondern kann sich innerhalb einer räumlichen Darstellung bewegen und die Umgebung aus verschiedenen Perspektiven betrachten.
Damit ergeben sich Einsatzmöglichkeiten für Immobilien, Architektur, Museen, Dokumentation, Filmproduktion, virtuelle Ausstellungen, Marketing und XR-Anwendungen. Auch Entwickler von Spielen und virtuellen Welten können von einem solchen Workflow profitieren.
Bei der visuellen Qualität spielt das Kamerasystem eine zentrale Rolle. Die vier 12-Megapixel-Kameras liefern eine große Menge an Bildinformationen, die anschließend gemeinsam mit den räumlichen Daten verarbeitet werden.
Die Stärke der PortalCam liegt deshalb weniger darin, einzelne Fotos mit einer besonders hohen klassischen Kameraauflösung aufzunehmen. Vielmehr geht es darum, aus vielen räumlich verknüpften Aufnahmen eine konsistente digitale Szene zu erzeugen.
Unter guten Aufnahmebedingungen kann das Ergebnis ausgesprochen überzeugend wirken. Besonders Materialien mit klaren Strukturen, ausreichend Textur und guter Beleuchtung lassen sich sehr realistisch abbilden. Möbel, Wände, Böden, Architekturdetails oder Dekorationselemente können dadurch einen erstaunlich plastischen Eindruck vermitteln.
Gleichzeitig sollte man die technischen Grenzen kennen. Die verwendeten Kameras arbeiten mit Rolling Shutter. Außerdem hängt die Qualität eines Gaussian-Splatting-Modells nicht ausschließlich von der Auflösung der Kameras ab. Lichtverhältnisse, Bewegungen, reflektierende Oberflächen, transparente Materialien und die Qualität der Aufnahmeführung haben ebenfalls einen erheblichen Einfluss auf das Endergebnis.
Glasflächen, Spiegel oder stark glänzende Materialien sind für praktisch jedes kamerabasierte 3D-Erfassungssystem eine Herausforderung. Auch sehr gleichförmige Flächen können problematisch sein, wenn nur wenige visuelle Anhaltspunkte vorhanden sind.
Das ist kein spezielles Problem der PortalCam, sondern eine grundsätzliche Eigenschaft dieser Art von Rekonstruktion. Wer die Kamera professionell einsetzen möchte, sollte deshalb nicht nur auf die technischen Daten schauen, sondern auch lernen, welche Aufnahmebedingungen für die jeweilige Szene ideal sind.
Eine Besonderheit der PortalCam ist die Kombination aus visueller Erfassung und LiDAR. Das Gerät nutzt den Laserscanner nicht primär als eigenständiges Vermessungswerkzeug, sondern als Bestandteil des gesamten Rekonstruktionssystems.
Mit bis zu 856.000 Messpunkten pro Sekunde verfügt die Kamera über eine hohe LiDAR-Erfassungsrate. Das 180 × 180 Grad große Sichtfeld unterstützt dabei die räumliche Orientierung während der Bewegung.
Dadurch kann die PortalCam die aufgenommenen Kamerabilder besser räumlich einordnen. Vereinfacht gesagt liefert der LiDAR die strukturelle Grundlage, während die Kameras für die visuelle Realität sorgen.
Das macht den Workflow deutlich interessanter als eine reine kamerabasierte Photogrammetrie. Gleichzeitig sollte man von der PortalCam keine Vermessungslösung erwarten, die sämtliche Anforderungen klassischer Geodäsie erfüllt. XGRIDS positioniert das Gerät klar als Spatial Camera und nicht als Ersatz für seine professionellen Lixel-Systeme, wenn klassische Punktwolken und absolute Georeferenzierung benötigt werden.
Dieser Unterschied ist für potenzielle Käufer besonders wichtig. Wer präzise georeferenzierte Vermessungsdaten für Bau- oder Ingenieurprojekte benötigt, sollte genau prüfen, welches XGRIDS-System für diesen Anwendungsfall vorgesehen ist. Die PortalCam ist in erster Linie auf immersive, visuell hochwertige 3DGS-Ergebnisse ausgelegt.
Nach der Aufnahme beginnt der zweite wichtige Teil des Workflows. Die Rohdaten müssen verarbeitet und in ein nutzbares 3D-Modell umgewandelt werden. Hier kommt XGRIDS' Software-Ökosystem ins Spiel.
LCC Studio übernimmt die Rekonstruktion der aufgenommenen Szene. Der Hersteller setzt dabei auf einen möglichst automatisierten Prozess. Nach dem Import der Daten werden die entsprechenden Verarbeitungseinstellungen gewählt und die Software erzeugt daraus das 3D-Modell.
Das ist für die Zielgruppe der PortalCam ein wichtiger Punkt. Ein 3D-Scanner kann noch so leistungsfähig sein – wenn anschließend stundenlange manuelle Nachbearbeitung notwendig ist, verliert das System einen Teil seines praktischen Vorteils.
Genau hier spielt XGRIDS seine Erfahrung aus. Der Workflow ist auf die eigene Hardware und das eigene Software-Ökosystem abgestimmt. Dadurch wird aus der Kamera nicht nur ein Aufnahmegerät, sondern ein vollständiges System.
Nach der Rekonstruktion lassen sich die entstandenen Modelle bearbeiten, vermessen, annotieren und veröffentlichen. Außerdem bietet XGRIDS SDKs für individuelle Anwendungen und Integrationen an. Damit kann die Technologie beispielsweise in eigene Webanwendungen oder Workflows für Unity und Unreal Engine eingebunden werden.
Auch beim Speicher zeigt sich, dass XGRIDS die PortalCam für umfangreiche 3D-Aufnahmen entwickelt hat. Im Gerät stehen 512 GB interner Speicher zur Verfügung. Die Verbindung zum Computer erfolgt über USB, während zusätzlich drahtlose Kommunikationsmöglichkeiten vorhanden sind. Unterstützt werden unter anderem WLAN und Bluetooth 5.2.
Das ist angesichts der großen Datenmengen wichtig. Hochauflösende Kameradaten und 3D-Erfassungen können schnell erheblichen Speicherplatz beanspruchen. Der integrierte Speicher reduziert die Notwendigkeit, während des Scans mit externen Speichermedien zu hantieren.
Für längere oder besonders umfangreiche Projekte sollte man die Speicherplanung trotzdem nicht ignorieren. Wer regelmäßig große Gebäude oder weitläufige Außenbereiche digitalisiert, wird den Speicherbedarf schnell spüren.
Die PortalCam verfügt über einen herausnehmbaren Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 23,04 Wh. XGRIDS gibt eine Laufzeit von rund 60 Minuten bei kontinuierlicher Aufnahme an. Die Ladezeit liegt laut den verfügbaren technischen Daten bei etwa 70 Minuten für 90 Prozent und rund 90 Minuten für eine vollständige Ladung.
Eine Stunde klingt zunächst nicht nach besonders viel. Für die vorgesehene Arbeitsweise kann das jedoch ausreichend sein, da einzelne Scanvorgänge häufig deutlich kürzer ausfallen. XGRIDS selbst positioniert die Kamera für schnelle mobile Erfassungen. Bei größeren Projekten ist ein zusätzlicher Akku dennoch eine sinnvolle Ergänzung.
Gerade hier zeigt sich der Vorteil des Wechselakkus. Statt das gesamte Gerät zum Laden aus dem Einsatz nehmen zu müssen, kann bei entsprechenden Voraussetzungen der Akku gewechselt werden.
Die Stromversorgung erfolgt über USB-C beziehungsweise USB-C Power Delivery. Dadurch lässt sich die PortalCam grundsätzlich auch in mobilen Arbeitsumgebungen relativ flexibel betreiben.
Eine der naheliegendsten Anwendungen ist die Immobilienbranche. Statt potenziellen Käufern oder Mietern lediglich Fotos und einen klassischen 360-Grad-Rundgang anzubieten, lässt sich eine komplette Immobilie als interaktive räumliche Szene darstellen.
Der Vorteil liegt darin, dass Interessenten einen wesentlich stärkeren Eindruck von den Dimensionen und der räumlichen Anordnung erhalten können. Räume wirken nicht mehr wie einzelne Bilder, sondern als zusammenhängende Umgebung.
Für Immobilienmakler könnte die PortalCam daher ein interessantes Werkzeug für hochwertige Exposés darstellen. Auch für Bauträger, Architekturbüros und Innenarchitekten sind solche digitalen Zwillinge interessant. Ein einmal erfasstes Objekt kann später erneut betrachtet werden, ohne dass man dafür physisch vor Ort sein muss.
Darüber hinaus kann die Technik bei Dokumentationsaufgaben hilfreich sein. Ein Gebäudezustand lässt sich räumlich festhalten und zu einem späteren Zeitpunkt erneut analysieren. Für historische Gebäude, Ausstellungen oder Museen kann die Möglichkeit, einen Ort dauerhaft als digitale 3D-Szene zu konservieren, ebenfalls interessant sein.
Noch interessanter wird die PortalCam für kreative Anwendungen. Gerade Film- und Game-Studios stehen regelmäßig vor der Aufgabe, reale Umgebungen möglichst schnell in digitale Produktionsumgebungen zu übertragen.
Hier kann Gaussian Splatting einen entscheidenden Vorteil bieten. Anstatt jede Oberfläche einer realen Umgebung klassisch zu modellieren und zu texturieren, kann ein realer Ort direkt aufgenommen werden.
Auch für virtuelle Produktionen oder Previsualisierung kann das interessant sein. Ein realer Drehort lässt sich digital erfassen und anschließend innerhalb einer virtuellen Umgebung betrachten.
Für Game-Entwickler ist wiederum die Möglichkeit interessant, reale Orte als Ausgangspunkt für virtuelle Welten zu verwenden. Die von XGRIDS vorgesehenen SDKs und Schnittstellen eröffnen dabei weitere Möglichkeiten, die erzeugten Inhalte in eigene Softwareumgebungen einzubinden.
Die PortalCam ist damit nicht nur ein 3D-Scanner, sondern vielmehr ein Werkzeug zur Digitalisierung realer Räume.
So interessant das Konzept ist, die PortalCam ist kein universelles Werkzeug für jeden 3D-Workflow. Einer der wichtigsten Punkte betrifft die Art des erzeugten Outputs.
Wer eine klassische, technisch weiterverarbeitbare Punktwolke benötigt, sollte sich die Lixel-Produktreihe von XGRIDS ansehen. Die PortalCam wurde dagegen konsequent auf 3D Gaussian Splatting ausgerichtet. Auch eine absolute Georeferenzierung steht bei diesem System nicht im Mittelpunkt.
Das kann je nach Einsatzgebiet entscheidend sein.
Auch bei der Aufnahme selbst muss man etwas Sorgfalt walten lassen. Die besten Ergebnisse entstehen nicht automatisch. Eine ruhige Bewegung, geeignete Lichtbedingungen und eine sinnvolle Routenplanung bleiben wichtig.
Dazu kommt die Größe der erzeugten Daten. Zwar ist Gaussian Splatting in vielen Situationen effizienter als klassische extrem detaillierte 3D-Geometrie, dennoch müssen zunächst umfangreiche Bild- und Sensordaten verarbeitet werden. Je nach Qualitätseinstellung und Umfang des Projekts kann die Rekonstruktion entsprechend Zeit benötigen.
Ein weiterer Punkt ist die Abhängigkeit vom Software-Workflow. Wer möglichst offen mit Rohdaten arbeiten und diese unmittelbar in unterschiedlichste Programme übertragen möchte, sollte vor dem Kauf genau prüfen, welche Exportformate und Schnittstellen für den eigenen Workflow tatsächlich zur Verfügung stehen.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus der Beschäftigung mit der PortalCam lautet deshalb: Man sollte das Gerät nicht ausschließlich mit klassischen 3D-Scannern vergleichen.
XGRIDS verfolgt einen anderen Ansatz. Die PortalCam soll nicht in erster Linie die perfekte technische Punktwolke erzeugen, sondern eine reale Umgebung möglichst überzeugend in eine digitale, begehbare und fotorealistische 3D-Szene verwandeln.
Dieser Unterschied erklärt auch, warum das System für bestimmte Nutzergruppen wesentlich interessanter sein kann als ein klassischer Scanner.
Ein Architekt, der hochpräzise Vermessungsdaten benötigt, hat andere Anforderungen als ein Immobilienunternehmen, das einen fotorealistischen virtuellen Rundgang erstellen möchte. Ein Ingenieurbüro benötigt andere Daten als ein Filmstudio. Und ein Game-Designer interessiert sich möglicherweise weniger für absolute Vermessungsgenauigkeit als für die schnelle Digitalisierung einer realen Umgebung.
Für diese zweite Gruppe ist die PortalCam besonders spannend.
Ein weiterer Vorteil des Systems ist der Zeitgewinn im kreativen Workflow. Wer schon einmal versucht hat, eine reale Umgebung klassisch in 3D nachzubauen, weiß, wie aufwendig Modellierung, Texturierung, Beleuchtung und Materialerstellung sein können.
Mit der PortalCam wird ein großer Teil dieses Prozesses durch die Aufnahme der Realität ersetzt.
Das bedeutet nicht, dass anschließend keinerlei Arbeit mehr notwendig ist. Je nach Projekt müssen Modelle weiterhin optimiert, zugeschnitten, annotiert oder in eine Zielumgebung integriert werden. Die grundsätzliche digitale Erfassung des Ortes wird jedoch erheblich vereinfacht.
Genau hier liegt für mich der größte Mehrwert der PortalCam. Sie reduziert die Distanz zwischen realer Umgebung und digitalem Inhalt.
Das Gesamtkonzept wirkt dabei erfreulich logisch. Die Kamera wird für die Aufnahme verwendet, die Smartphone-App dient zur Kontrolle und anschließend übernimmt die Desktop-Software die eigentliche Rekonstruktion.
Diese Aufteilung ist sinnvoll, weil die Kamera selbst möglichst unkompliziert bleiben kann. Niemand möchte während einer Aufnahme permanent komplexe Einstellungen vornehmen.
Die PortalCam folgt stattdessen einem modernen Capture-Workflow: Kamera einschalten, Umgebung erfassen, Daten übertragen, Modell generieren und anschließend veröffentlichen oder weiterverarbeiten.
Das macht die Technologie deutlich zugänglicher als viele klassische professionelle 3D-Scanning-Systeme.
Ein Aspekt, den potenzielle Käufer allerdings berücksichtigen sollten, ist die notwendige Rechenleistung für die Nachbearbeitung. Die Aufnahme selbst ist mobil und kompakt, die Verarbeitung der Daten findet jedoch in einer leistungsfähigeren Computerumgebung statt.
Wer regelmäßig umfangreiche 3DGS-Szenen erzeugen möchte, sollte deshalb nicht nur das Budget für die Kamera einplanen. Auch der vorhandene Rechner spielt eine Rolle.
Das ist ein grundsätzliches Thema bei modernen 3D-Gaussian-Splatting-Workflows. Die Erfassung kann relativ unkompliziert sein, während die eigentliche Rekonstruktion deutlich mehr Rechenleistung benötigt.
Für professionelle Anwender ist das weniger problematisch. Wer die PortalCam jedoch als Hobbygerät anschaffen möchte, sollte sich vorab mit den Systemanforderungen von LCC Studio beschäftigen.
Interessant ist letztlich auch die Bezeichnung „Spatial Camera“. Denn genau das beschreibt das Gerät ziemlich gut.
Eine klassische Kamera beantwortet die Frage: Wie sieht etwas aus?
Eine 360-Grad-Kamera beantwortet zusätzlich die Frage: Wie sieht meine Umgebung in alle Richtungen aus?
Die PortalCam versucht noch einen Schritt weiterzugehen: Wo befinden sich die einzelnen Elemente im Raum und wie kann ich diese Umgebung anschließend aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten?
Damit wird aus der Kamera ein Werkzeug zur räumlichen Dokumentation.
Diese Entwicklung dürfte in den kommenden Jahren noch wichtiger werden. Virtuelle Rundgänge, digitale Zwillinge, Augmented Reality, Virtual Reality und immersive Medien benötigen nicht nur zweidimensionale Bilder. Sie benötigen räumlich strukturierte Inhalte.
Genau hier setzt XGRIDS an.
Die XGRIDS PortalCam ist ein ungewöhnliches Produkt, weil sie bewusst eine Nische zwischen Kamera, 3D-Scanner und Spatial-Computing-Werkzeug besetzt. Das Gerät kombiniert vier Kameras mit einem leistungsfähigen LiDAR-System und einem auf Gaussian Splatting ausgelegten Workflow. Mit 856.000 LiDAR-Punkten pro Sekunde, einem 180 × 180 Grad großen LiDAR-Sichtfeld, vier 12-Megapixel-Kameras, 512 GB internem Speicher und einer kompakten Bauform bringt die Hardware dafür interessante Voraussetzungen mit.
Ihre größte Stärke liegt allerdings nicht in einem einzelnen technischen Datenblattwert, sondern in der Kombination aus Hardware und Software. Die PortalCam möchte den Weg von der realen Umgebung zur fotorealistischen digitalen 3D-Szene möglichst einfach machen.
Besonders interessant ist das System deshalb für Immobilienunternehmen, Architekten, Museen, Film- und VFX-Studios, Game-Entwickler, Content Creator und alle, die reale Orte schnell in immersive digitale Inhalte verwandeln möchten.
Gleichzeitig ist die PortalCam nicht die richtige Wahl für jeden professionellen 3D-Scanning-Workflow. Wer klassische Punktwolken, hochpräzise Vermessung oder absolute Georeferenzierung benötigt, sollte sich innerhalb des XGRIDS-Portfolios nach dafür geeigneter Hardware umsehen. Die PortalCam wurde dagegen klar auf fotorealistische 3DGS-Szenen spezialisiert.
Genau diese Spezialisierung macht sie aber auch interessant. XGRIDS versucht nicht einfach, einen weiteren klassischen 3D-Scanner auf den Markt zu bringen. Stattdessen zeigt die PortalCam, wie sich 3D-Erfassung verändern könnte, wenn die fotorealistische Darstellung genauso wichtig wird wie die reine Geometrie.
Wer reale Räume digital begehbar machen möchte, ohne sie aufwendig von Grund auf modellieren zu müssen, bekommt mit der PortalCam ein bemerkenswertes Werkzeug. Die Technik steckt zwar noch in einem Bereich, der für viele Nutzer erklärungsbedürftig ist, doch das grundlegende Konzept überzeugt: Die Kamera nimmt die reale Welt auf, LiDAR liefert die räumliche Orientierung und Gaussian Splatting verwandelt die gesammelten Informationen in eine immersive digitale Umgebung.
Damit gehört die XGRIDS PortalCam zu den interessanteren Entwicklungen im Bereich moderner 3D-Erfassung – insbesondere für alle Anwendungen, bei denen nicht nur millimetergenaue Geometrie, sondern vor allem ein möglichst realistisches digitales Abbild der Realität gefragt ist.